Was gibt es Neues in der Krebstherapie?

Krebs, es gibt kaum jemanden, den dieses Wort nicht ängstigt. Doch es ist nicht das Wort, das Angst macht, sondern vielmehr die Vorstellung, die der Einzelne mit diesem Wort verbindet.

Operation, Strahlen, Schmerzen, Hilflosigkeit, Sterben – um nur einige Vorstellungen zu nennen. Viele Wissenschaftler haben sich mit der Krankheit befasst, viele Theorien wurden aufgestellt und viele verschiedene Therapieformen erprobt, viele Allheilmittel angepriesen. 1997 konstatierte der Hamburger Onkologe Hossfeldt, dass Krebs unbesiegbar sei, da sein Entstehen aufs Engste mit der Evolution zusammenhänge. Letzte­res mag vielleicht richtig sein, doch können wir hier-aus schließen, dass der Krebs  unbesiegbar  ist? Vielleicht verstehen wir den Zusammenhang mit der Evolution noch nicht genügend.

Die medizinischen Thera­pien könnten unter dem Oberbegriff     „Wegma­chen“  zusammengefaßt werden. Bereits im Alter­tum wurde der Krebs weg-geschnitten,       wegge­brannt,  weggeätzt.  Die Operation ist nach wie vor die medizinisch bedeut­samste Therapieform bei Krebs. Hinzugekommen ist seit dem 20. Jahrhun­dert die Strahlentherapie, die auch auf das Vernich­ten, das „Wegmachen“ des Tumors abzielt. Seit den 40er Jahren dieses Jahr­hunderts gibt es die Chemotherapien, die auf chemischem Weg den Krebs „wegmachen“ sollen, dabei jedoch normale Köperzellen angreifen und somit eine Reihe von Nebenwir­kungen haben können. Die Hormontherapie – oder besser: die Anti-Hormontherapie – zielt ebenfalls auf eine Unter­drückung des Krebswachstums. Einen etwas anderen Ansatz finden wir in der Immun­therapie, oder auch neuerdings in den Gentherapien. Hierbei wird versucht, manipulativ in das Wachstums­geschehen auf unterschiedlicher Ebene einzugreifen. Alle diese Behandlungsformen, mit zunehmend hohem Milliardenaufwand weltweit erforscht und vorangetrieben, haben die Heilungsrate bei Krebs in den letzten Jahren nur unwesentlich verbessert: Etwa 50% können mit den heute vorhandenen medizinischen Strategien geheilt werden, etwa 50 % werden irgendwann an ihrem Krebsleiden sterben. Das ist eine erschreckende Tatsache, die jedoch auch Anlass zu tiefergreifendem Nachdenken geben sollte. Ist der Stillstand in der Heilungsrate vielleicht ein Anzeichen dafür, dass der grundsätzliche Ansatz der medizinischen Therapien („wegmachen“ oder manipulieren) erweitert oder sogar grundlegend verändert werden müsste?

Selbst oder Nicht-Selbst?

Der Therapie-Ansatz „Wegmachen“ oder“ Manipulieren“ geht davon aus, dass es sich bei Krebs grundsätzlich um Fremdgewebe handelt, das der Körper eben nur nicht erkennen kann. Doch wie­so ist vom Körper selbst produziertes Gewebe als „fremd“ zu bezeichnen? In einer Ärztezeitung wurde dies so formuliert: Stimmen die Vorstellungen von den gegen einen Tumor „an­kämpfenden“ Abwehr­zellen wirklich? Sollten Krebszellen vielleicht gar nicht „Nicht-Selbst-Zel­len“ sein? Sondern „Selbst-Zellen“? Dann wäre die ge­samte Vorstellung, gegen den Krebs ankämpfen zu müssen, sowohl körper­lich wie seelisch (also weg­machen oder manipulie­ren) ein grundsätzlicher Irrtum, man würde sozusa­gen gegen sich selbst ankämpfen. Thorwald Detlefsen sagt hierzu: „Der Krebs braucht nicht be­siegt zu werden – er muß nur verstanden werden.“ Könnte eine Krankheit, viel­leicht sogar eine so be­drohliche Erkrankung wie Krebs etwas mit uns selbst zu tun haben? Eine äußerst heikle Frage. Der Schweizer Psychiater Beck schreibt in seinem Buch „Krankheit und Selbstheilung“ ganz allgemein zu diesem Thema:

„Es ist für die Mediziner ein ungewöhnlicher Gedanke, Krankheiten als kreative Leistungen (des Ich, A.d. Verfassers), wie Kunstwerke anzusehen oder gar zu würdigen. Das Ich des Patienten wird vielmehr als Opfer seines ich-fernen Körperleidens betrachtet und nicht als engagierter Mit­gestalter dieses Werkes. (…). Es sind viele Untersuchungen gemacht worden, die den Einfluß von psychischen Faktoren auf körperliche Krankheiten belegen, etwa beim Magenge­schwür (…). Man ging fast immer stillschweigend von der Voraussetzung aus, dass das Leiden an sich ein schädliches und für das Ich des Patienten ein feindliches Prinzipsei. Wenn sich die These, (…)Krankheit sei manchmal ein seelischer

Selbstheilungsversuch, als stichhaltig erweist, dann hat dies für die Einstellung von Patienten zu ihrer Krankheit Konse­quenzen. (…). Die Annahme von reparativen Tendenzen im Patienten ist für viele Ärzte zunächst kränkend, weil sie das Gefühl von therapeutischer Allmacht einschränken. Man sollte zwar annehmen, dass der Arzt übe rdie unterstützen­de Wirkung der Selbstheilungstendenzen im Patienten froh wäre, dem ist aber nicht so.“

In der Onkologie (Lehre von den Krebskrankheiten) wird diese Thematik nach wie vor nicht offen diskutiert, sondern fast tabuisiert. Immer noch hat das Dogma Gültigkeit, dass psychische Faktoren den biologischen Ablauf der Krebs­krankheit nicht beeinflussen, (publiziert 1985 im New England Journal of Medicine), erheblichen Einfluß auf den Umgang mit dieser Problematik: „Eine Sichtweise, die den Patienten einen Einfluß bei der Eindämmung ihrer Krankheit einräumt, bedeutet zugleich Mitschuld, wenn die Krankheit fortschreitet. Neben der Angst vor dem persönlichen Versagen birgt sie die Gefahr, dass die Patienten schließlich zu der Überzeugung kommen, dass die medizinische Behandlung weitgehend unwichtig sei,… und sie sich ganz der Methode des Mentaltrainings an vertrauen…Die Patien­ten haben bereits an ihrer Krankheit zu tragen, man sollte sie nicht noch damit belasten, sie für ihren Verlauf mitverant­wortlich zu machen.“

Vor dem Hintergrund dieser Argumentation mit dem Hinweis darauf, man könne möglicherweise „falsche Hoff­nungen“ (eigentlich ein Widerspruch in sich) wecken, sind auch die Äußerungen führender Wissenschaftler in der Psycho-Onkologie zu verstehen. Die Ergebnisse der Unter­suchungen seien nicht einheitlich, und wenn seelische Gründe überhaupt eine Rolle spielten, dann keine sehr starke. Bedeutsamer sei die Psyche für den Verlauf der Krankheit (wieso eigentlich dann auf einmal?) und das Immunsystem könne psychotherapeutisch beeinflußt wer­den. Diese Feststellung ist erstaunlich für das Gebiet der Psycho-Onkologie, das sich ja doch mit psycho-sozialen und psycho-biologischen Aspekten der Krebskrankheit beschäftigt. Es zeigt den weiter bestehenden Dualismus zwischen Körper und Seele auf und beruht zu nicht geringen Teilen auf der Tatsache, dass bis heute keine plausible Hypothese für mögliche psychische oder psycho-soziale Faktoren während der Entstehung der Krebskrankheit existieren.

Wenn die Krebskrankheiten völlig unabhängig von der Person und der Persönlichkeit des Krebs-Patienten auftre­ten und deshalb auch biologisch schicksalhaft sein sollten, so wäre der Patient reines Opfer und nur passiver Beobach­ter von unbeirrbar ablaufenden körperlichen Prozessen. Dies würde in der Tat Hoffnungslosigkeit, Angst und Depressivität Vorschub leisten, denn wozu dann noch aktive Krankheitsbewältigung, wenn sie doch „nichts bringt“?

Stellen wir die richtigen Fragen?

Was fehlt, sind neue Hypothesen – so könnte man den aktuellen Zustand der Medizin beschreiben, insbesondere auch den Zustand in der Onkologie. Statt ständig danach zu forschen, was den Menschen krank macht, um dann dagegen anzukämpfen, könnte uns vielleicht die Frage „was erhält Menschen gesund?“ weiterbringen.

Der israelische Forscher Antonovsky ist dieser Frage nachgegangen und hat den Begriff der Salutogenese (Lehre von der Heilung) der Pathogenese (der Lehre von Krankheit) gegenübergestellt. Statt einzelne Risikofaktoren herauszu­finden und zu versuchen, möglichst alle Krankheiten auf die eine Ursache zurückzuführen, so handelt das salutogenetische Modell mehr von der Geschichte des Kranken und seines ganzheitlichen Krankseins, so wird auf der anderen Seite statt Einsatz wirksamer Heilmittel aktive Anpassung, Bewältigungsstrategien, Ressourcen-Entwick­lung beschrieben.

Die Amerikanerin Caryle Hirshberg hat ein Gebiet für die Medizin wiederentdeckt – das Gebiet der Spontan-Remission – das genau dieser Fragestellung entspricht, nämlich: was erhält und macht Menschen (wieder) gesund. Sie schreibt: „Wir waren auf ein überraschendes Faktum gestoßen: Wegen einer zu eng gefassten Definition war der medizini­schen Forschung ein Phänomen von besonderem Interesse entgangen. Ist es denn keine Untersuchung wert, wenn eine Person viel länger lebt, als prognostiziert wurde, auch wenn sie am Ende doch an der Krankheit stirbt? Sollte es nicht unsere Neugier wecken, wenn ein Patient, dem die Arzte nur noch sechs Monate geben, seiner Krankheit erst nach Jahren erliegt?“ Sie meint, dass eine intensive Erforschung von Spontan-Remissionen von ungewöhnlichem Interesse für die Heilkunde (im Sinne einer Salutogenese) sein müßte, da es rasche und umfassende Erkenntnisse zu den biologischen, psycho-biologischen, psychischen, psycho-sozialen und psycho-spirituellen Mechanismen der Selbstheilung geben kann. Sie postuliert im Menschen ein solches System der Selbstheilung, das Selbst-Diagnose, Selbst-Regulation und Selbst-Reparatur umfasst.

Einen ähnlichen Ansatz fand auch der Heidelberger Epide­miologie-Forscher, Professor Dr. Grossarth-Maticek. Statt der Suche nach monokausalen Zusammenhängen bei der Krankheitsentstehung, sieht er den Menschen als hochkomplexes System an, das versucht, sich selbst zu regulieren. Selbst-Regulation definiert er als jede Eigen-Aktivität (jedes Denken und Handeln), das zu seelischem und körperlichem Wohlbefinden führt. Erfand bei seinen Untersuchungen, dass Krankheitsentstehung immer ein multifaktorielles Geschehen ist, bei dem die Selbst-Regula­tion eine herausragende Stellungeinnimmt. Eine gute Selbst-Regulation führt zu mehr Gesundheit und weniger Krankheit, wie umgekehrt eine schlechte Selbst-Regulation zu mehr Krankheit führt. Dies konnte er an epidemiologischen Untersuchungen an mehr als 30.000 Menschen in mehr als 30 Jahren statistisch belegen. Dass eine gute Selbst-Regulation hierbei nicht nur ein Begleitphänomen war, sondern zentrale Bedeutung hatte, konnte Grossarth-Maticek in seinen Interventionsstudien aufzeigen, indem er bei ausgewählten Gruppen von noch gesunden Menschen und bereits erkrankten Patienten ein Autonomie-Training zum Erlernen einer besseren Selbst-Regulation durchführte. Das Ergebnis war, dass jene Menschen, die durch das Autonomietraining zu einer besseren Selbst-Regulation fan­den, länger gesund waren, bzw. deutlich längere Krankheits­verläufe aufwiesen. Ein weiterer wichtiger Mechanismus im Rahmen einer Krebserkrankung ist der vegetative Rhythmus. Das vegeta­tive Nervensystem besteht aus dem aktiven, sympatischen System, das uns kämpfen oder flüchten läßt, und aus dem parasympatischen System, das uns schlafen, ruhen und erholen läßt. Dieses System scheint bei an Krebs Erkrankten gestört zu sein, wir sprechen auch von einer vegetativen Starre. Die Therapie dynamischer ganzheitlicher Krankhei­ten, wie der Krebserkrankung, muß also neben der üblichen medizinischen Therapie auch Anregung und Förderung, bzw. Wiedererlangung biologischer Rhythmen zum Ziele haben.

Wie kann der Kranke aktiv an seiner Genesung mithelfen?

Wenn ein Patient an Krebs erkrankt ist, so ist das zunächst ein Schock. Wichtig ist, diese Schocksituation aufzufangen, indem das Aufklärungsgespräch sachkundig und in einem entsprechenden zeitlichen und räumlichen Rahmen stattfindet. Wichtig ist ferner, dass der Patient genügend Zeit bekommt, die Diagnose zu verarbeiten. Zu dem Zeitpunkt, wo die Diagnose in ihrer Bedeutung „ankommt“, ist der Patient tatsächlich in einem Schockzustand, d. h. seine Kommunikationskanäle sind überlastet, er ist unfähig, weite­res aufzunehmen. Diese Phase dauert etwa 7 bis 8 Minuten, in dieser Phase sollte absolute Ruhe herrschen. Anschlie­ßend sollte der Patient durch Fragen die Möglichkeit bekommen, das sofort wieder aufzuarbeiten, was aktuell in ihm abgelaufen ist. So könnte vermieden werden, was kürzlich in einer chirurgischen Universitätsklinik mittels Tonbandaufnahmen festgestellt wurde, dass der Patient durch diesen Schockzustand fast nichts von der weiteren Aufklärung mitbekommen hat. Zur besseren Verarbeitung dieser ersten Schock­situation wäre auch die Begleitung durch eine vertraute Person sinnvoll, mit der der Patient dann die Situation noch einmal besprechen könnte. Nach Eröffnung der Diagnose durchläuft der Patient vier psychische Stadien:

  1. das Stadium chaotischer Gefühle: Hier geht alles
    durcheinander, Wut, Angst, Trauer, Depression.
  2. Stadium der Schuldzuweisung: Suche nach dem Schuldigen.
  3. Stadium der Depression und Bedrückung
  4. Stadium der Klärung und der Beginn einer neuen Sichtweise.

Diese Stadien nehmen unterschiedliche Zeiträume in Anspruch: Sie können relativ schnell durchlaufen werden, der Patient kann jedoch auch in einzelnen Phasen chronisch steckenbleiben. Hier bedarf es der professionellen Hilfe. Neben den Gesprächen über die weitere medizinische Behandlung ist meines Erachtens eine psycho-soziale Betreuung von emi­nenter Bedeutung. David Spiegel hat in seiner 1989 publizierten Arbeit eindeutig zeigen können, dass jene Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs doppelt so lange lebten, wenn sie zusätzlich zur standardgemäßen medizinischen Behandlung psycho-soziale Betreuung erfuhren. Hier umfasste die psycho-soziale Betreuung die einmal wöchentlich stattfindende Zusammenkunft aller Patientinnen, wobei jede alles das loswerden konnte, was ihr auf dem Herzen lag. Ich sage meinen Patienten grundsätzlich folgendes:

1. Heilung ist möglich, und zwar immer!

Auch wenn Spontan-Remissionen selten sind, so zeigen sie doch die Richtigkeit dieser Aussage. Natürlich kann man an Krebs sterben, doch wenn ich nichteine Heilung für möglich hielte, würde eine negative Betrachtung meiner Lebenssi­tuation mich stark unter Stress setzen, was wiederum Auswirkungen auf das Immunsystem hat. Heilung muß nicht immer körperliche Gesundheit sein, sie kann auch seelische Heilung bedeuten. Hiroshi Oda, der eine Reihe von Patienten von Spontan-Remissionen interviewt hat, schreibt: „Menschen, denen ich durch meine Studie begeg­net bin, haben eine etwas andere Sicht als die medizinische. Viele von uns fragen, wie man Krebs besiegen und möglichst lange leben kann. Aber ich habe Menschen mit Spontan-Remissionen kennengelernt, die die übliche Denkweise in Frage stellten und vielmehr danach fragten, wie man Krebs und die Möglichkeit des Todes akzeptieren und seelische Heilung, nämlich Transzendenz erlangen kann“.

2. Ich bin der Boss in meinem Leben!

Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass der Patient im Krankheits­verlaufs eine Selbstbestimmung und seine Würde behält. Es zeigt sich, dass jede Therapieform, die der Patient selbst­bestimmt wählt, mit weniger Nebenwirkung behaftet ist und sogar günstigere Auswirkungen hat. Wichtig ist daher für den Arzt, den Patienten optimal zu informieren und ihm zu helfen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Fragt er vor der Entscheidung um Rat und Mithilfe, so kann ich sie dem Patienten nach bestem Wissen und Gewissen geben.

3. Ich finde und gehe meinen Weg!

Dies ist sicherlich eine der wichtigsten Erkenntnisse der Arbeiten von Caryle Hirshberg. Jeder der Patienten, die wider Erwarten gesund wurden, war seinen eigenen Weg gegangen – mit oder ohne die Hilfe der Medizin – mit oder ohne alternative Heilmittel. Dies ist für den Patienten sicherlich einer der schwersten Punkte, denn natürlich frage ich in einer derart lebensbedrohlichen Situation zunächst, wie andere es gemacht haben, um wiedergesund zu werden. Nur: Dies gilt leider nur für die anderen, für den eigenen Weg ist es bestenfalls eine Anregung.

4. Wie finde ich nun den eigenen Weg?

Die Antwort ist einfach, und die Umsetzung kann schwierig sein: Alles, was mich entspannt, gilt es zu suchen, zu finden und zu fördern – alles, was mich anspannt, gilt es zu identifizieren und abzulegen. Gerade der letzte Punkt kann durchaus Probleme bereiten, denn zu dem, was anspannt, kann auch der Umgang mit bestimmten Menschengehören. Hier wird man sich dann die Frage stellen, ob ich mich nicht von diesen Menschen trennen muß, um bestimmte Arten von Anspannungen zu vermeiden.

Entspannung kann ich in Vielerlei empfinden: durch Bewe­gung, im Sport, in der Meditation, beim autogenen Training, in einer entsprechenden Gesprächstherapie. Um wieder zu einemgesunden Rhythmus von Anspannung und Entspannung zu finden, ist es von Bedeutung, wieder auf seine innere Stimme, auf seine Empfindung zu hören. Dies fällt vielen Menschen schwer, da in unserer Gesellschaft kaum gefördert wird, auf seine Gefühle zu achten. Unsere Erzie­hung zielt weitgehend darauf ab, den Verstand, den Intellekt zu trainieren und bei Entscheidungen den Kopf einzusetzen. Die einfache Frage: Wie fühle ich mich heute? Wie fühlst Du Dich heute? wird kaum gestellt, die emotionale Intelligenz wird nicht gefördert. Das führt dazu, dass wir viel mit dem Kopf und gegen unser Gefühl arbeiten. Hierzu schreibt Simonton: „Ich glaube, dass die Macht des Geistes weit über das hinausgeht, was ich mir zuerst vorgestellt habe. Außerdem glaube ich, dass es über Körper und Denken hinaus eine weitere Dimension der Heilung gibt: den spirituellen oder seelischen Aspekt. Lassen Sie mich zusammenfassen, was ich gelernt habe: Die Gefühle beeinflussen die Gesundheit und die Genesung von einer Krankheit auf eine maßgebliche Weise. Die Gefühle haben eine starke und bestimmende Kraft auf das Immunsystem und in unseren anderen physiologischen Heilungssystemen. Überzeugungen beeinflussen die Gefühle, darum beeinflus­sen sie auch die Gesundheit. Können Ihre Überzeugungen, Ihre Einstellungen Ihre Gefühle maßgeblich beeinflussen, folglich beeinflussen diese auch Ihre Gesundheit entschei­dend. Wie man seine Überzeugungen, seine Einstellungen und seine Gefühle beeinflußt, ist erlernbar“. Gefühle werden leicht abgewertet und unterdrückt. Doch alles, was unterdrückt wird, muß unser Körper aushalten, er wird zum Schauplatz, zum Kampffeld in unserem Ringen um Selbstbestätigung, um Anerkennung, um unseren Platz in der Gesellschaft. Nur in der Ruhe gelingt es mir wieder, Körpergefühle wahrzunehmen und auf meine Empfindun­gen zu hören. Um dies zu erreichen, gilt es, viele Ablenkun­gen einzustellen, die ich tagtäglich dazu benutze, um mich selbst, meine Gefühle, meine Empfindungen nicht wahrzu­nehmen: Fernsehen, laute Musik, Lärm und Hektik des Alltags.

Zusammenfassung:

Was gibt es Neues in der Krebstherapie?, das ist die Frage dieses Artikels. Unsere derzeitige Betrachtungsweise, Krebs als Feind, als „fremd“ anzunehmen, um ihn dann zu bekämpfen, hat uns zu der Situation geführt, wie sie seit Jahrzehnten in der Medizin fast konstant vorhanden ist. Etwa 50 % können mit den derzeitig möglichen Therapien geheilt werde. Etwa 50 % werden an ihrem Krebs sterben. Statt zu fragen: „Was macht den Menschen krank?“ (um dies dann zu bekämpfen), sollten wir vielleicht besser fragen, „Was erhält den Menschen gesund? Was hält ihn im Leben?“ Hier stoßen wir auf Begriffe wie Selbständigkeit, Selbst-Regulation und Selbst-Bestimmtheit. Dies scheint der Weg zu sein, um (wieder) zu uns selbst zu finden und damit zu den in uns liegenden Quellen der Heilung, denn Heilung ist immer Selbst-Heilung.

Vom Opfer zum Sieger: Menschen, die Krebs überleben…

  • vollziehenden Übergang von Abhängigkeit zu Autonomie und wählen Aktivitäten und Verhaltensweisen, die ver­stärkte Autonomie fördern
  • wählen Verhaltensweisen, die Liebe, Freude, Spass und Zu­friedenheit fördern
  • bringen Lachen und Humor in ihr Leben
  • sind bereit, ihre Überzeugungen und Einstellungen zu überprüfen und alte Überzeugungen und Einstellungen zu verändern, die nicht länger angebracht und zweckmäßig sind
  • nehmen ihr Leben in die eigene Hand (persönlich, beruflich emotional, spirituell und medizinisch) und leben jeden Tag voll aus
  • arbeiten in Partnerschaft mit ihren Ärzten und tragen
    Entscheidungen mit, die sich auf ihre Gesundheit und ihr
    Wohlbefinden beziehen
  • zeigen ein verändertes/erhöhtes Bewußtsein (in bezug auf sich selbst, andere und ihre Umgebung)
  • sind motiviert, anderen zu helfen
  • können sowohl mit ihren positiven als auch negativen Emotionen/Gefühlen umgehen, diese ausdrücken und an­nehmen
  • bringen ihre Bedürfnisse und Wünsche (körperliche, emotionale und spirituelle) zum Ausdruck und stehen dazu
  • können „nein“ sagen
  • können mit einem Paradox leben
  • erleben in vielen Fällen einen plötzlichen,
    existentiellen Umschwung, der sich in
    einer veränderten Haltung zu sich selbst,
    ihrem Leben und der Welt zeigt
  • haben starke, liebevolle Beziehungen
  • finden Sinn in der Erfahrung der Krebserkrankung
  •  finden Gründe zu leben
  • glauben an einen positiven Ausgang
  • akzeptieren die Diagnose, jedoch nicht die Prognose
  • stellen sich der Krise
  • glauben an ihre Kraft, Sinn und Erfüllung zu leben –wählen Verhaltensweisen, die Stress reduzieren
  • entwickeln ihr spirituelles Bewußtsein
  • meditieren oder beten
  • fühlen sich Gott und der Naturverbunden

Quelle: Caryle Hirshberg

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